Auf unseren Straßen sterben Menschen

Den ermordeten D. kannten viele, aber er wollte nicht erkannt werden. Hilfe lehnte er ab. Im Februar, als es sehr kalt wurde, war er für StiDU e.V. und einige ehrenamtlich tätige Frauen ein tägliches Thema, wir hatten Sorge, er würde erfrieren.

Aber er fand immer wieder seinen Weg, immer seine Lösung. Jetzt hat jemand seinem Leben mit Stichen ein Ende gesetzt. Verbluten zu müssen, nicht sofort tot zu sein, muss ein schrecklicher Tod sein.

Tags darauf fand man einen toten Obdachlosen am Bahnhof – niemand kannte ihn.

Bekannt oder nicht bekannt – auf unseren Straßen sterben Menschen, die wir nicht oder nicht mehr erreichen. Wir haben aber auch keine passenden Lösungen. Wir wissen auch kaum von ihnen. Das Bild obdachloser Menschen wird vielfach geprägt von Betrunkenen am Hauptbahnhof. Das ist noch nicht einmal die berühmte „Spitze des Eisbergs“. Wir wissen nicht, was unter Wasser ist.

„Denn die einen sind im Dunkeln und die anderen sind im Licht. Und man sieht nur die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht.“schreibt uns Bert Brecht ins Stammbuch.
Die Initiative „Armut stinkt“ hat begonnen, Licht ins Dunkel zu bringen: https://armutstinkt.de (Link auch in der Bio) Die Stadtverwaltung beginnt auch langsam, sich dem Ziel zu nähern, die Lebensgewohnheiten der Mitbewohnerinnen und Mitbewohner kennenzulernen, um ihnen zielgerichtet und passgenau helfen zu können. Das wird aber nicht reichen. Der „Runde Tisch“ muss erst beweisen, dass er zu mehr als einem Meinungsaustausch fähig ist.

Wir müssen uns alle dahinter stellen, dass diese Menschen zu uns gehören, auch wenn sie fern und fremd sind – warum auch immer.

Zwei Männer sind nicht mehr dabei. In dieser Woche sind sie gestorben. Sie sollen in Frieden ruhen, so sagt der Volksmund in solchen Fällen. Aber welche Antwort geben wir auf die Fragen, die sie mit ihrem Tod gestellt haben? Unsere Kerzen erreichen sie nicht mehr. Vielleicht erreichen sie posthum, dass wir uns als Stadtgesellschaft der Rechte und Bedürfnisse derjenigen annehmen, die wir, wenn überhaupt, nur am Rande wahrnehmen. #armutstinkt

Aktuelle Informationen zum Einsatz des Zahnmobil:

Mi., 03.02.2021 

9:00-11:00 Uhr Kontaktladen Mecki

15:00-17:00 Uhr Tagestreff Nordstadt 

Fr., 05.02.2021 

9:00-11:00 Uhr Kontaktladen Mecki

15:00-17:00 Uhr STEP-Stellwerk 

Mi., 10.02.2021

9:00-11:00 Uhr Kontaktladen Mecki

15:00-17:00 Uhr Tagestreff Nordstadt

Fr., 12.02.2021 

15:00-17:00 Uhr Stadtarchiv Langenhagen

Sa., 13.02.2021 

9:00-11:00 Uhr Kontaktladen Mecki

Mi., 17.02.2021 

9:00-11:00 Uhr Kontaktladen Mecki

15:00-17:00 Uhr Tagestreff Nordstadt

Fr., 19.02.2021 

9:00-11:00 Uhr Kontaktladen Mecki

15:00-17:00 Uhr STEP-Stellwerk 

Mi., 24.02.2021

9:00-11:00 Uhr Kontaktladen Mecki

15:00-17:00 Uhr Tagestreff Nordstadt

Fr., 26.02.2021 

9:00-12:00 Uhr Kontaktladen Mecki (langer Vormittag)

Sa., 27.02.2021

9:00-11:00 Uhr Clemenskirche

Jim läßt uns nach-denken…

Aus den Augen, aus dem Sinn?

Das ist ein altes Sprichwort. Irgendwann in den nächsten Tagen sind die Blumen verwelkt. Irgendwann in den nächsten Wochen sind die Kerzen ausgebrannt und AHA hat deren Reste weggeräumt. Die NP vom 28.1. mit dem Bericht, der uns den hier verstorbenen Jim vorstellte, (s.u.) ist schon Altpapier. Was bleibt?

Juden, Christen und Muslime lesen den 4. Vers im 144. Psalm: „Der Mensch gleicht einem Hauch; seine Lebenstage sind wie ein flüchtiger Schatten. “ Das ist Jahrtausende Jahre alte Weisheit. Es ist wohl so. Was aber bleibt?

Es bleiben Hunderte Obdachloser in Hannover. Niemand weiß, wie viele es sind. Verwaltung und  Politik interessiert es nicht. Was uns interessiert und persönlich bewegt, ist dies:

Von einem Menschen, der außerhalb unserer Gesellschaft lebte, der keine Kontakte wollte, Mitleid und heftige Ablehnung erlebte, haben wir auf einmal die Lebensgeschichte erfahren. Er war einer wie wir. Niemand hätte vorausgesagt, dass er einmal aus der Kurve geschleudert werden würde  und nur noch auf der Straße würde leben wollen. Niemand hätte vorausgesagt, dass dieser Familienvater und IT-Experte so krank werden würde, dass er es in geschlossenen Räumen nicht würde aushalten können.

Was bleibt für uns? Haben wir mehr als temporäres Mitleid und die Hoffnung oder Überzeugung, dass uns „so etwas“ ja nicht passieren kann? Bleibt für uns die Empfindsamkeit, obdachlose Menschen anders  zu sehen, als wir sie erblicken? Sind wir bereit, die Menschen als „welche von uns“ anzunehmen, die sie ohnehin – nach unseren Maßstäben – wahrscheinlich lange Zeit gewesen sind? Sind wir bereit, den von unserer Norm abweichenden Lebensweg zu akzeptieren? Anzuerkennen, dass Süchte nicht die Ursache der Obdachlosigkeit sein müssen, sondern deren Folge sein können? Geben wir Ihnen die Aufmerksamkeit und Zuwendung, die sie nötig haben? Sehen wir sie nun anders, als wir sie erblicken? Wenn das die Folge von Jims Tod sein kann, werden wir ihn nicht vergessen. Man könnte versucht sein, darin einen Sinn seines Todes zu sehen