Zurück auf das Pflaster

Am Donnerstag tagte der Sozialausschuss der Regionsversammlung. StiDU war dabei und fragte kritisch nach, was denn aus den Menschen nach dem 15.7. wird, wenn die Jugendherberge für sie zum Tabu wird.

Hier konnte man lernen, wie man auch als parlamentarisches Gremium, als Sozialpolitiker, ein Thema engagiert angehen kann. Der Landeshauptstadt, die dafür zuständig ist, war es in der Sozialausschusssitzung am vergangenen Montag nur eine „Fußnote“ im sehr blassen Bericht der (noch) Sozialdezernentin wert.

Egal, wo was gesagt wurde: das Ergebnis ist für die Betroffenen unbefriedigend. Am 15.7. ist Schluss in der Jugendherberge. Das wussten die Verwaltungen von Stadt und Region schon länger. Warum hat man nichts getan, um den in der Jugendherberge lebenden Menschen die Angst davor zu nehmen, wieder auf die Straße zu müssen? Liegenschaften hat die Stadt, die dafür zuständig ist, mehr als genug dafür. StiDU dankt den Frauen und Männern des Sozialausschusses der Region, die engagiert für die Menschen gesprochen haben.

Hier der Bericht der NP:

Obdachlosen-Hilfe muss im Juli aufhören – soll im Winter aber wiederkommen

Obdachlosen-Hilfe während der Corona-Pandemie: Seit April leben durchschnittlich 100 Obdachlose in der Jugendherberge nahe des Maschsees. Im Juli endet das Projekt, es soll im Winter aber wieder aufgelegt werden, kündigte die Region Hannover am Donnerstag im Sozialausschuss an.

Hilfe für Obdachlose in der Corona-Pandemie: Die Unterbringung in der Jugendherberge nahe dem Maschsee wird nicht über den 15.Juli hinaus verlängert, soll aber im Winter als ähnliche Einrichtung wieder aufmachen – ob an gleicher Stelle oder anderswo und ob dauerhaft, das will die Region in den kommenden Wochen mit Stadt Hannover und Land Niedersachsen klären und die Ergebnisse der Politik im Septemberdann vorstellen. Das sagte die Sozialdezernentin der Region, Andrea Hanke, am Donnerstag im Sozialausschuss der Region.

Das Pilotprojekt war im April gestartet, finanziell getragen wird sie mit über einer Millionen Euro zu gleichen Teilen von Stadt und Region Hannover sowie vom Land Niedersachsen, betrieben von Diakonie und Caritas. Ausgelegt ist die Herberge für 200 Obdachlose, rund 100 Obdachlose leben in der Jugendherberge aktuell, haben einen „Urlaub von der Straße“ angetreten, wie es Diakonie-Pastor Rainer Müller-Brandes im Ausschuss sagte. „Das, was wir gemacht haben, ist gut. Menschen, zu denen wir in der Vergangenheit nie einen Zugang hatten, haben sich geöffnet und sich helfen lassen.“ Übernachten durften dort nur Obdachlose, die vor Einzug eine Eingangsuntersuchung erfolgreich bestanden haben. Die Menschen schöpfen wieder Hoffnung

Caritas-Projektleiterin Ramona Pold sagte, dass Menschen mit schlechter Allgemeinverfassung aufgeblüht seien. „Menschen, die sich aufgegeben haben, schöpfen wieder Hoffnung.“ Ein Einzelzimmer mit Dusche und WC, so etwas hätten viele Obdachlose seit Jahren nicht gesehen. Ihre Bitte an die Politik: „So etwas darf nicht im Sande verlaufen.“ Ursula Büchsenschütz von der Diakonie berichtete von einem inzwischen mit der Caritas ausgearbeiteten Konzept mit Namen „Zwischenraum“, basierend auf den Erfahrungen der vergangenen Monate. Dieses Konzept soll der Regionsverwaltung als Grundlage für weitere Entscheidungen dienen.

„Wozu brauchte es eine Pandemie, um so ein Projekt aufzulegen“, fragte Sinja Münzberg von den Grünen. „Es gibt keine Alternative als dieses Projekt weiterlaufen zu lassen.“ Sie wollte von der Sozialdezernentin wissen, wieso man die Obdachlosen-Hilfe nicht über den 15.Juli hinaus weiterlaufen lassen könne. „Das ist auch eine Frage der Finanzierung, die Region alleine hat für drei Monate 340.000 Euro ins das Projekt investiert. Wir wollen es möglichst schnell unterstützen, und sind uns einig, mit den Partnern darüber zu sprechen.“, so die Dezernentin

Klippert: „Menschenleben nicht mit Geld aufwiegen“

Julian Klippert (Die Partei) appellierte an die Regionsverwaltung, sich nicht von finanziellen Dingen leiten zu lassen, „denn sonst fangen wir an, ein Menschenleben mit Geld aufzuwiegen“. Corona sei noch nicht vorbei und deshalb sagen, die Region könne es nicht alleine. Michael Fleischmann (Linke) forderte generell mehr Engagement für Obdachlose von Seiten der Region und Landeshauptstadt. „Die 15 Housing First-Wohnungen, die in Hannover geplant sind, sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Andere Städte wie Wien sind da viel weiter.“ Michaela Michalowitz (CDU) sagte, dass das, was man gehört habe, die Region zum Umdenken bewegen müsse. „Wir sollten aber nicht schnell schießen, sondern ein gutes Konzept entwickeln.“

Von Andreas Voigt

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